Seit Jahren quälende Migräne, der viel zu hohe Puls, die drückenden Brustschmerzen, die ständig verstopfte Nase, die Schlapp- und Gereiztheit, die Gelenkschmerzen – das alles muss doch bitte einen Auslöser haben? Ja hat es und zwar eine Histaminintoleranz.

Lebensmittel, die uns von Kindesbeinen an begleiten, können von einem Tag auf den anderen krank machen. Der gute Tomatensalat, das vorzügliche Stückchen Käse mit einem herrlichen Gläschen Rotwein, die heißgeliebte Schokolade in all den wunderbaren und köstlichen Varianten, die leckere und noch warme Semmel, das gegrillte Würstchen mit Tomatenketchup. All dies sind Lebensmittel, die bei Menschen mit einer Histaminintoleranz massive Beschwerden hervorrufen können und ein „normales“ Leben fast unmöglich machen.

Der Körper produziert zu wenig von dem wichtigen Enzym Diaminoxidase und wenn man Lebensmittel mit einem hohen Histamingehalt zu sich nimmt wie Tomaten, Thunfisch, gereifter Käse etc. kann der Körper das Histamin nicht schnell genug abbauen und reagiert mit diversen Symptomen um aufzuzeigen „ACHTUNG, ACHTUNG – bitte kein Histamin mehr zuführen“. Eigentlich ja ein ganz schlauer Körper, aber gerade im letzten Jahr hat auch mich dieser Körper manchmal an meine Grenzen gebracht.

Die Verträglichkeit von einzelnen Lebensmitteln ist dosisabhängig und viele weitere Faktoren wie z.B.: Allgemeinbefinden, Stresslevel, Histaminliberatoren, weitere Allergien, psychische Verfassung, Wetter etc. beeinflussen die Verträglichkeit von einzelnen Lebensmitteln.

Die Histaminintoleranz (HIT) ist sehr komplex. Jeder Mensch reagiert anders und somit ist eine einheitliche Behandlung nicht möglich. Jeder Mensch mit HIT muss für sich selbst herausfinden, was ihm gut tut und was nicht. Dies ist möglicherweise ein sehr langer und anstrengender Weg, aber er lohnt sich. Denn auch mit HIT kann man ein zufriedenes, ausgeglichenes und vor allem genussvolles Leben führen. Man muss nur den Kampf aufnehmen und ganz klein beginnen. Auch mir wurde vor über einem Jahr eine HIT diagnostiziert und im Nachhinein kann ich viele meiner Symptome besser zuordnen. Auch ich habe den Kampf aufgenommen und der HIT die Stirn geboten. Mit Erfolg: Ich habe durch meine Ernährungsumstellung und dem bewussten Auseinandersetzen mit Lebensmitteln viel gelernt, mein Wohlbefinden gesteigert und viele tolle neue Rezepte entdeckt.

Starten sollte man nach der Diagnose mit einer 4-wöchigen Eliminationsdiät. Auch ich habe diese hinter mir und ich sage es euch, es war eine verdammt harte Zeit. In diesen 4 Wochen aß ich nur Kartoffeln, Dinkelbrot, Butter, Reis, Heidelbeeren und Mangos und trank nur Wasser. Kein Kaffee, kein Weizen, kein Zucker, kein Obst, kein Käse, kein, kein, kein – die Liste mit den Dingen, auf die man vorerst verzichten sollte, ist wohl endlos lange. Eigentlich sollte man während der Eliminationsdiät nur Kartoffeln und Reis zu sich nehmen. Aber an einem langen und harten Arbeitstag war es mir persönlich oft nicht möglich, mich nur von diesen Lebensmitteln zu ernähren. Darum habe ich mir selbst erlaubt auch Brot und ein wenig Obst zu essen. Es hat mir definitiv nicht geschadet. Wenn ihr auch Obst essen wollt, empfehle ich Mangos und Heidelbeeren. Schmecken super lecker und haben einen sehr niedrigen Gehalt an Histamin. Aber Achtung: Generell solltet ihr beachten, dass alle gekauften Lebensmittel so frisch wie möglich sind und vor allem Obst und Gemüse keine Fäulnis-Stellen aufweist. Je älter Lebensmittel sind, je gereifter und vielleicht bereits erwärmt umso höher wird der Histamingehalt. Probiert diese 4 Wochen auf jeden Fall aus und ihr werdet sehen, euer gesamter Gesundheitszustand wird sich drastisch verbessern. Umso strenger ihr mit euch während der Eliminationsdiät seid, umso besser wird es euch danach gehen.

Ich kann nur sagen, dass es mir nach diesen vier Wochen deutlich besser ging. Ich war klarer im Kopf, hatte keine Gelenkschmerzen mehr und war generell viel fitter. So fühlt sich also das Leben ohne HIT an –SUPER! Aber gut 4 Wochen nur Kartoffeln, Reis und ein bisschen Obst ist wohl zu schaffen, aber ein Leben lang? No way! Ab dieser Erkenntnis fing ich an, mich gezielt mit Lebensmitteln, meinen bisherigen Ernährungsgewohnheiten und vielen neuen Rezepten auseinander zu setzen. Ich las mich oft nächtelang durch Foren und ergänzte meinen Speiseplan langsam aber kontinuierlich jede Woche um 2-3 neue Lebensmittel. Man merkt dann sehr schnell, welche Lebensmittel einem gut tun und welche man eher meiden sollte. Macht es genauso: Lasst eurem Körper Zeit und ergänzt euren Speiseplan jede Woche um 2-3 neue Lebensmittel. Habt ihr dann wieder Beschwerden könnt ihr relativ leicht zuordnen, an welchem Lebensmittel es liegen kann. Wenn ihr diese Strategie ein paar Monate verfolgt, habt ihr nach dieser Zeit wieder ein sehr schönes Portfolio an verträglichen Lebensmitteln zusammen und könnt auch wieder genussvolle und tolle Rezepte zubereiten.

Zusammengefasst kann ich euch 6 erste Tipps mit auf den Weg geben:

  1. Macht die 4-wöchige Eliminationsdiät
  2. Ergänzt in den ersten Monaten euren Speiseplan immer pro Woche um 2-3 Lebensmittel und führt eine Liste mit den für euch verträglichen und unverträglichen Lebensmitteln
  3. Auf histaminintoleranz.ch findet ihr eine tolle Lebensmitteliste, welche das Histaminpotential von Nahrungsmitteln und Zusatzstoffen aufzeigt.
  4. Achtet beim Einkauf auf frische und hochwertige Lebensmittel
  5. Lagert die Lebensmittel auch zu Hause richtig
  6. Kocht euch frische leckere Gerichte und genießt euer Essen

Genuss ist auch mit HIT möglich, glaubt es mir. Man muss nur offen sein und Neues zulassen.