Es ist ein Genuss in der Früh einen Tee mit Kräutern aus dem Garten zu trinken. Dazu pflücke ich Minze, Brennnessel oder wilden Thymian. Damit ich auch im Winter dieses Vergnügen habe ernte ich im Sommer größere Mengen davon. Die einfachste Konservierung von Wildkräutern ist das Trocknen – und so geht’s: Du pflückst die Pflanze (z.B. Brennnessel, Minze oder wilder Thymian) und lässt die Blätter (mit Stängel) an einem warmen gut durchlüfteten Platz ca. 3 Wochen trocknen. Lege sie dazu einfach auf ein Tablett oder ein großes Brett. Sind die Pflanzen getrocknet, lassen sie sich dann gut vom Stiel lösen. Verpacke sie in ein Schraubglas; so sind die Blätter trocken gelagert und lange haltbar. Die Inhaltstoffe von Wildkräutern sind im Vergleich zu ihren kultivierten Artgenossen intensiver. Sie besitzen neben den geschmacklichen Reizen oft auch medizinische Heilwirkung. Deshalb sind es Tees, Tinkturen oder Salben, die davon hergestellt und somit ihre heilenden Kräfte konserviert werden.

In meiner Küche verwende ich viele Kräuter und verleihe damit einfachen Gerichten einen ganz speziellen Charakter. Das sind jedoch die typischen Küchenkräuter wie Petersilie, Maggikraut, Schnittlauch, Salbei, Dill, Origano, Thymian und Rosmarin. Die Traditionelle Europäische Heilkunde (TEH) beschäftigt sich mit Pflanzen und ihren Wirkstoffen, die tief in europäischen Regionen verwurzelt sind. Kürzlich hat mir eine Absolventin des TEH-Lehrgangs erzählt, dass man auch ohne einen einzigen Pilz eine herrliche Schwammerlsuppe zubereiten kann. Das Geheimnis ist der Spitzwegerich, ein Wildkraut, dem man angeblich überall auf der Wiese oder am Wegesrand begegnen kann, und das beim Kochen dieses kräftige Schwammerlaroma entwickelt. Außer Brennnessel, Kapuzinerkresse oder Löwenzahn (er)kannte ich bis jetzt kaum noch eine andere essbare Wildpflanze. Vom Bärlauch einmal ganz abgesehen, der ja seit ein paar Jahren an Popularität kaum mehr zu übertreffen ist. Eine Kostprobe der falschen Schwammerlsuppe jedoch hat mich gänzlich überzeugt und jetzt erkenne ich plötzlich überall in der Wiese den Spitzwegerich mit seinen charakteristischen schmalen Blättern. Ich werde ihn nun ebenfalls trocknen und sehen, ob er mir dann auch im Winter sein typisches Schwammerlaroma für eine Suppe schenken wird.

Und so geht’s:

  1. Zwiebel in Butter andünsten, mit dem Mehl bestäuben und mit Wasser aufgießen – dabei fest mit dem Schneebesen rühren. Köcheln lassen, bis der Zwiebel weich ist
  2. Die Spitzwegerichblätter waschen und trockenschleudern, fein hacken und zur Suppe geben – nur ein paar Minuten mitköcheln lassen
  3. Süßen Rahm dazugeben und mit Salz und Pfeffer abschmecken
  4. Je nach Geschmack kann man die Suppe noch mit einem Pürierstab schaumig aufschlagen